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Aus einer anderen Zeit: Stakbootfahrt auf der Krutynia

Stakbootfahrt auf der Krutynia/Krutinna, Foto: B.Jäger-Dabek

Mitten im Masurischen Landschaftspark gelegen ist die wohl schönste Flusslandschaft Masurens. Ursprünglich hieß sie Cruttinna und später Kruttinne, heute Krutynia. Geblieben ist – egal unter welchem Namen – eine verzauberte Landschaft, ursprünglich und wieder ganz der Natur überlassen. Schon ein Spaziergang am Flussufer von Krutyń aus fasziniert. Krutyń, das früher Kruttinnen hieß, wurde nicht umsonst in der Zwischenkriegszeit als „Perle der Masurischen Schweiz“ bezeichnet.

Der idyllischste Fluss Masurens

Von Touristen längst entdeckt, hat sich die Krutynia bis heute eine Naturidylle bewahrt, wie man sie selten noch erlebt. In den endlosen Wäldern der Johannisburger Heide (Puszcza Piska) schlängelt sich der stille Fluss durch eine Landschaft, die wie ein aus der Zeit gefallener Traum erscheint. Und dabei ist dies Idylle nur ein paar Kilometer vom trubeligen Badeort Mikołajki entfernt – was für ein Kontrast!

Am schönsten ist es auch heute noch, die verträumte und aus der Zeit gefallene Flussnatur bei einer Fahrt mit einem der Stakboote der Stakergemeinschft „Perkun“ zu genießen. Die Einsetzstelle heute ist an der Brücke über den Fluss mitten in Krutyń zu finden. Von hier geht es auf diesem schönsten Flussabschnitt flussaufwärts bis zum Kruttinnensee und dann mit der Strömung sanft gleitend wieder zurück nach Krutyń. Bis heute wissen die Staker alles über den Fluss, aber auch all die Geschichten und Legenden über die Krutynia. Die sind zum Teil so alt, wie der Name des Vereins: Perkun, Perkunos war der Hauptgott des prussischen Göttertriumvirats Perkunos, Pikollos, und Potrimpos.

Naturidylle Krutynia/Kruttinna, Foto: B.Jäger-Dabek

Stakbootfahrt in die Idylle

Einstündige Stakfahrten führen bis zum Gelben Sand und zurück, eineinhalbstündige Touren führen bis zum Kruttinnensee (Jezioro Krutynskie) und zurück nach Krutyń. Mitfahrer sehen Schwanennester, Schwäne mit ihren Jungen, Enten, Haubentaucher, Reiher und auch einmal Eisvögel. Fast lautlos gleitet das Boot dahin, das Knirschen der abstoßenden Stake auf dem sandigen Flußgrund erschreckt nicht einmal die Fische im glasklaren Wasser, in dem jeder Stein, jede Wasserpflanze, Schneckke und Muschel zu erkennen ist. Immer wieder schließen sich die Bäume rechts und links des Ufers über dem Fluss zu grünen Tunneln. Bei der Rückfahrt schiebt die Strömung das Stakboot lautlos zurück nach Krutyń, die Stake dient nur zum Steuern. Sie gleiten vorbei an von Bibern gefällten Bäumen, Uferschilf mit Vogelnestern, zuweilen sehen Sie einen Fischotter oder einen Nerz, umschiffen die Reste einer alten Brücke – hier wird nicht mehr in die Natur eingegriffen, von der ein großer Friede ausgeht..

Lampionfahrt „Kruttinnaleuchten“

Das gilt besonders für das „Kruttinnaleuchten“, eine Lampionfahrt mit dem Stakboot auf dem Fluss zur Zeit des dramatisch farbigen Sonnenuntergangs. Flussaufwärts wird bis zum Kruttinnen See gestakt, wo der Sonnenuntergang schön zu beobachten ist. Schnell wird es nun dunkel, die letzten Vögel hasten zum Schlafbaum, Schwimmvögel scharen die Jungen um sich, Störche und Reiher absolvieren ihren letzten Flug mit Futter für die Jungstörche. Dann steigen zarte weiße Nebel vom Wasser auf und tauchen Fluss und See in ein märchenhaftes Licht, aus dem Feen aufzusteigen scheinen. Mit dem letzten Büchsenlicht geht es treibend zurück nach Krutyń. Wenn der Himmel ins Wasser taucht und der Horizont schwindet, bis er nicht mehr zu erkennen ist, wird es still am Fluss, ganz still, kein Laut stört mehr den masurischen Abendfrieden.

Stakboot-Anleger in Krutyn, Foto: B.Jäger-Dabek

Tradition der Stakbootfahrten auf der Kruttinna:

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert kamen die ersten Sommerfrischler in den damals noch Cruttinnen genannten Ort, die Eisenbahn macht die Anfänge des Tiurismus möglich. Der Bahnhof Kruttinnen war eigentlich näher an Collegienen, und lag zwei Kilometer nordwestlich von Kruttinnen. Damals, in der Zwischenkriegszeit, als Kruttinnen von naturliebenden Sommerfrischlern entdeckt wurde, spazierte man auf einem Waldweg rund einen Kilometer nach Süden zum Nordostufer des Kruttinnensees, eines Nebensees des Muckersees. Dort am Anlegeplatz Murawa wartet bereits das in Kruttinnen bestellte Boot. Damals waren diese Boote Ruderboote, die zum Satken geeignet waren. Für die Fahrt über den Krutinnensee nämlich musste gerudert werden, da der See dort zu tief ist. Nun folgte die Talfahrt, die wie heute bis zur Brücke mitten in Kruttinnen ging. Sie waren Originale, die Staker, kannten alle Geschichten, Märchen und Legenden, die über Generationen überliefert wurden. Dazu lebten die Menschen dieser Region immer im Einklang mit dieser Natur und wussten alles über sie. Erst die Verbreitung der Faltboote brachte mehr und mehr Jugendbewegte zum Wasserwandern auch an die Kruttinna. Geblieben aber ist über die Zeiten die Tradition des Stakens in flachgehenden Holzbooten. Heute sind die Stakbootfahrer im Verband Perkun organisiert.

Verband der Bootsstaker auf der Kruttinna „PERKUN“
Krutyń 4, 11-710 Piecki, tel/fax +48 89 742 14 30, mobil +48 601 650 669

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