Barczewo – Das ermländische Venedig

Barczewo, das ermländische Venedig, Foto: B.Jäger-Dabek

Barczewo, das einstige ostpreußische Wartenburg hat den Beinamen „Warminski Wenecja“, ermländisches Venedig. Tatsächlich liegt sogar das „Barczewski Alcatraz“, das Alcatraz genannte Gefängnuis von Barczewo am Wasser und dient dort bis heute als Gefängnis. Prominentester Insasse war bis zu seinem Tod Erich Koch, der ehemalige Gauleiter von Ostpreußen und Statthalter der Ukraine.

Nach dem Krieg wurde die Stadt gemäß der alten polnischen Bezeichnung Wartembork umbenannt. Den heutigen polnischen Stadtnamen Barczewo erhielt Wartenburg zu Ehren des ermländischen Pfarrers Walenty Barczewski (1856-1928), der sich für die polnische Sprache und das Polentum im Ermland einsetzte.

Die Restaurierung und Revitalisierung der Altstadt von Barczewo hat aus dem 17.000-Einwohner-Städtchen eine sehenswerte Stadt gemacht, die ihren Einwohnern viel Lebensqualität und ein reges Kulturleben mit einigen Sommerfestivals bietet. Barczewo ist von Wasser umgeben. Die Stadt ist gleich von mehreren Seen umgeben wie im Westen vom Wadangsee, aus dem die kleine Wadąg entspringt, dem Dadaj-See im Osten und einigen kleineren Seen im Süden. Die Altstadt liegt auf einer Flussinsel und ist von der Pisa Warmińska ( auch Pisa Północna, deutsch Pissa) umgeben. So bieten sich auch in der Stadt immer wieder malerische Ein- und Ausblicke – und: Hier kann man wunderbar paddeln.

Schon 1325 hatte der Bischof des Ermlands in Alt-Wartenburg am Nordufer des Wadangsees eine bischöfliche Burg errichten lassen, die 1354 von den Litauern zerstört wurde. Eine neu Burg wurde auf der Flussinsel im heutigen Barczewo errichte. Sie wurde 1798 bei einem Brand schwer beschädigt und fortan als Schule genutzt.

Stadtrecht und Kulmer Recht erhielt Wartenburg im Jahr 1654 vom ermländischen Bischof Johannes Stryprock. Wartenburg wurde 1410-1414 im Zuge der Kämpfe zwischen dem Deutschen Orden und Polen/Litauen erstmals schwer in Mitleidenschaft gezogen und 1945 noch einmal zur Hälfte zerstört. Das Städtchen liegt malerisch in einer Senke und ist von der Straße S16 von Olsztyn (Allenstein) nach Mragowo (Sensburg) aus weithin am Wasserturm und am Turm der St.-Anna-Kirche/Kosciol Sw. Anna zu erkennen. Die im 14. Jahrhundert erbaute dreischiffige Hallenkirche brannte 1798 aus und wurde im 19. Jahrhundert umgestaltet und mit einem Turm sowie dem neogotischen Chor ver­sehen.

Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt das Rathaus am Marktplatz. Die im 14. Jahrhundert als einschiffige Hallenkirche erbaute ehemalige Klos­terkirche St. Andreas gehörte einst zum 1390 fertig gestellten Franziskanerkloster, das nach der Reformation an die Bernhardiner ging. 1810 fiel das nun säkularisierte Kloster an den preußischen Staat und diente als Gefängnis.

Zu trauriger Berühmtheit gelangte dieses im Volksmund „Warminski Alcatraz“ genannte Gefängnis durch seinen bekanntesten Insassen, den ehemaligen Gauleiter von Ostpreußen, Chef der deutschen Zivilverwaltung im polnischen Białystok und Reichsstatthalter der Ukraine Erich Koch (1896–1986). Der prominente Gefangene war 1959 zum Tode verurteilt worden, aber wegen Krankheit nicht hingerichtet worden. Bis zu seinem Tode im Jahre 1986 lebte er im Wartenburger Gefängnis, überreichlich versorgt durch einen nicht abreißen wollenden Strom von Paketen vor allem aus Südamerika. Anfangs der 1980er Jahre bekam er die Gesellschaft vieler Solidarnosc-Anhänger, die zur Kriegsrechtszeit hier inhaftiert waren.

Interessant ist das in der ul. Mickiewicza gelegene Nowowiejski-Museum, in dem Leben und Werk des in Wartenburg geborenen Komponisten Feliks Nowowiejski (1877–1961) dokumentiert werden, das neben der Musik dem Kampf für das Polentum in der Region gewidmet war.

Sehenswert und frisch restauriert ist die 1847 im neoklassizistischen Stil erbaute zweistöckige Synagoge von Wartenburg (ul.Kościuszki), die zu den wenigen Spuren gehört, die vom einstigen jüdischen Leben in Ostpreußen erhalten blieben. Möglich war die Rettung nur, weil die jüdische Gemeinde Wartenburg das Gotteshaus 1937 an einen Privatmann verkaufte. In den Jahren 1941-45 wurde die Synagoge als Gefängnis benutzt, dann lag es lange Jahre brach, bis es 1976-78 überholt wurde und zum Museum wurde. Zwischen 1980 und 1996 beherbergte die Synagoge das Webkunstzentrum von Ermland und Masuren. Heute sind in ihrer Nähe Grabsteine des zerstörten jüdischen Friedhof aufgestellt. Nach einer von Grund auf durchgeführten Renovierung und Restaurierung beherbergt die Synagoge von Barczewo heute eine Kunstgalerie, die viele Veranstaltungen organisiert.

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