Chwalęcin, Der unbekannte Wallfahrtsort im Ermland

Die Wallfahrtskirche von Chwalęcin/Stegmannsdort, Ermland, Foto: Aniceta, CC-BY-SA-3.0-PL

Chwalęcin, das frühere Stegmannsdorf gehört zu den weniger bekannten Wallfahrtsorten und Pilgerzentren im „Heiligen Ermland“, der „Sancta Warmia“. Der Ort liegt unweit von Wormditt (Orneta) im Kreis Heilsberg (Lidzbark Warmiński).

Eine erste Siedlung wurde hier bereits 1349 vom ermländischen Domkapitel gegründet. Die ersten Bewohner waren nach Kulmer Stadtrecht unfreie Bürger. Die Bedeutung als Wallfahrtsort geht auf eine Legende zurück, die sich nur wenige Jahrzehnte nach der Ortsgründung zugetragen haben soll. Damals fand man nicht weit vom Applausee im Wald von Applau an einem Erlenstamm ein schwarzes Kruzifix, das wohl durchziehende Söldner dort abgelegt hatten. Es wurde in die Pfarrkirche von Wusen (Osetnik) gebracht. Mehrmals verschwand es von dort auf unerklärliche Weise und kehrte stets an den Erlenstamm im Wald zurück, selbst nachdem man es in der Wusener Kirche befestigt hatte. Daher entschloss man sich, am Fundort ein Gotteshaus zu bauen. Diese erste, hölzerne Kapelle wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut. Nur ein Jahrhundertspäter kamen immerhin so viele Pilger an den Ort, dem mehrere Wunder nachgesagt wurden, dass man sich entschloss, die Kapelle abzureißen, und durch einen größeren Fachwerkbau zu ersetzen. Die Pilgerzahlen stiegen weiter an.

Doch als als die Pest zu Anfang des 18. Jahrhunderts große Teile Ostpreußens entvölkerte und auch das Ermland nicht verschonte, legte das ermländische Domkapitel 1709 ein Gelübde ab, in Stegmannsdorf eine steinerne größere Kirche errichten zu lassen. Im Jahr 1718 wurde dann mit dem Kirchenbau begonnen. Im Jahr 1728 wurde die vom Wormditter Baumeister Christoph Reimers erbaute neue Wallfahrtskirche vom Bischof Szemberk als Kirche „Zum heiligen Kreuz“geweiht. Er selbst trug das verehrte schwarze Kruzifix in die Pfarrkirche. Dort befindet es sich bis heute am Hochaltar.

Hochaltar der Wallfahrtskirche Chwalęcin/Stegmannsdort, Ermland, Foto: Lotek70, CC-ZeroDer dreischiffige Hallenbau erhielt um 1830 eine neoklassizistische Fassade. Etwa um diese Zeit wurden auch die Eckkapellen und der Rundgang gebaut. Etwa zwei Jahrzehnte später folgten Vorhalle und Westgiebel. Im Kircheninnern wurde das hölzerne Kreuzgewölbe in der Mitte des 18. Jahrhunderts vom Braunsberger Maler Johann Lossau im Rokokostil gestaltet mit dem typischen Blick in den Himmel. Als Vorbild diente ihm die Arbeit von Andrea Pozzo einem italienischen Jesuiten und Maler. Dargestellt werden dort 14 Szenen aus der Legende des heiligen Kreuzes. Die Altäre wurden noch während des Baus der Kirche von Johann Christian Schmidt geschaffen, die Vorlagen lieferte der Rösseler Künstler Christoph Peucker. Die um 1750 eingebaute Kanzel fertigte die Braunsberger Johannes Frey. Highlight des schon um 1400 entstandenen Hochaltars ist für alle Gläubigen das dort befestigte, verehrte „schwarze Kruzifix“.

Heute ist Hauptwallfahrtstag in Chwalęcin / Stegmannsdorf das Fest des heiligen Antonius von Padua. An diesem Tag war einst die Wallfahrtskirche geweiht worden. Daneben werden die Tage der Kreuzauffindung und der Kreuzerhöhung hier festlich begangen und ziehen Pilgerströme nicht nur aus dem Ermland an.

 

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