Der Wallfahrtsort Głotowo/Glottau –

Das ermländische Jerusalem

Wallfahrtskirche Głotowo im Ermland, Foto: B.Jäger-Dabek

Nur vier Kilometer südwestlich der Straße von Dobre Miasto/Guttstadt nach Ostróda liegt Glottau/Głotowo, der älteste Wallfahrtsort im Ermland. In Głotowo/Glottau steht die nach Heiligelinde/Święta Lipka und Krossen/Krosno dritte große, einschiffige Barockwallfahrtskirche im Ermland.

Die Vorgeschichte des Wallfahrtsortes

Erstmals in Chroniken erwähnt wurde Glottau als „terra glotovia“ im Jahr 1291. Wosich heute Wallfahrtskirche und Kalvarienberg befinden war einst ein Gebiet, das von Prussen besiedelt war, die vom Orden christianisiert wurden. An der Stelle des Kalvarienberges war schon zu prussischer Zeit eine Kultstätte, möglicherweise auch eine Opferstätte. Es war damals gängige Praxis der Kirche, möglichst die Ruhe im Ordensland zu erhalten, in dem die alten religiösen Stätten zum christlichen Glaubenszentrum gemacht wurden. Das förderte die Integration der rebellischen Pruzzen. Nun waren es die Litauer das letzte noch nicht christianisierte Volk der Region, das zur Gefahr an den Rändern des Ordensstaates wurde. Wie die Prussen waren die Litauer ebenfalls Balten. Sie fielen um die Wende zum 14. Jahrhundert ein, und verwüsteten die Region.

Die Legende vom Ochsenwunder

Zum Wallfahrtsort wurde Glottau schon sehr früh durch die Legende vom Ochsenwunder. Als 1290 die Litauer in die Region einfielen wurde vom Pfarrer die silberne Pyxis, das liturgische Gefäß, in dem die geweihten Hostien im Tabernakel für die Spendung der Kommunion aufbewahrt wurden. vor den heranrückenden „Heiden“ auf einer Wiese vergraben. Das geschah der Legende nach genau dort, wo heute die Wallfahrtskirche steht. Jahre später wurden Ochsen zum Weiden dorthin getrieben. Einer der Ochsen kam zu der Stelle, begann zu scharren, fing an zu brüllen und ging in die Knie. Die in der Pyxis verbliebene Hostie begann zu leuchten. Bald liefen die Menschen zusammen, vom Klerus wurde die Hostie in die kleine Glottauer Kirche, und wenig später ins nahe Guttstadt/Dobre Miasto gebracht. Eine zeitgenössische Chronik berichtete, die Hostie sei auf unerklärliche Weise nach Glottau zurückgekehrt. Das sah man als ein göttliches Zeichen und baute an der Stelle der Auffindung ein Gotteshaus zu Ehren des Sakraments. Die kleine Kirche wurde 1348 erstmals erwähnt, als das zwei Jahre zuvor gegründete Kollegiatsstift aus Pettelkau hierher verlegt wurde. Doch schon 1347 wurde das Kollegiatsstift wegen der dauernden Bedrohung durch die Litauer nach Guttstadt mit seinen schützenden Stadtmauern verlegt. Glottau blieb Propstei und wurde schnell zu einem Wallfahrtsort.

Kreuzweg in Głotowo, Station IX, Foto: Marcin n, CC-BY-SA-2.5

Die barocke Wallfahrtskirche und der Kalvarienberg von Glottau/Głotowo

Nachdem die Pilgerzahlen zu Ende des 17. Jahrhunderts stark anstiegen, wurde der Bau einer größeren Wallfahrtskirche nötig. Erbaut wurde die Wallfahrtskirche von 1722–1726 vom Wormditter Baumeister Christoph Reimers, der auch die Krossener Kirche errichtet hatte. Den Grundstein legte am 22. August 1722 Bischoff Theodor Andreas Potocki, geweiht wurde sie am 24. Juli 1726 vom Bischof Christoph Szembeck. Der Backsteinbau wurde schnell zum Zentrum des Wallfahrtsortes und später zum Endpunkt des Kreuzweges. Die Gründung der Herz-Jesu-Bruderschaft 1736 begründete die Herz-Jesu-Verehrung im Ermland, die sich später in mehreren Herz-Jesu-Kirchen wiederspiegelte.

Im Flusstal beginnt der Weg, der über die vierzehn Leidensstationen Christi einen Kalvarienberg hinauf zur Kirche führt und den die Wallfahrer betend ersteigen. Dieser auch im Sommer im schattigen, kühlen Grün des Flusstals gelegene Kalvarienberg wurde erst ab 1878-1884 errichtet. Die Anregung und eine großzügige finanzielle Zuwendung des ehemaligen Einwohner von Glottau Johann Merten machte die Realisierung möglich. Geweiht wurde der Kreuzweg 1894 durch den ermländischen Bischof Andreas Thiel, nachdem die erste Kreuzwegstation bereits am Herz-Jesu-Tag 1880 vom Bischof Krementz geweiht worden war. Mit dem Kalvarienberg war rund um das Fronleichnams-Sanktuarium ein Wallfahrtsort entstanden, der bereits nach wenigen Jahren über 100.000 Pilger verzeichnen konnte. Besonders als Wallfahrtsort der Herz-Jesu-Verehrung, des Wunders des Sakraments wurde Glottau als ermländisches Jerusalem bekannt.

 

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