Judyty (Juditten) – Ein kleines Gutsdorf und BMW-Hightech?

Schloss Juditten (Judyty), Geburtsort des Ex-BMW-Chefs von Kuenheim

Schloss Juditten (Judyty), Geburtsort des Ex-BMW-Chefs von Kuenheim; Foto: Mef.ellingen, CC-BY-SA 4.0

 

Ein Gutsdorf an der russischen Grenze

Juditten ist auch nach heutigen Maßstäben ein weltabgeschiedener, etwas traumverlorener Ort. Nur sechs Kilometer von der Grenze zum russischen Königsberger Gebiet (Kaliningradskaja Oblast) liegt Juditten nordöstlich von Bartenstein (Bartoszyce) und gehört heute zur Gemeinde Schippenbeil (Sępopol). Noch immer dominiert wie seit jeher das Schloss das Gutsdorf, dessen alte Strukturen noch immer deutlich zu erkennen sind.

Schon zur Ordenszeit gab es hier ein Landgut, das der Familie von Lesgewang gehörte, die prussische Wurzeln hatte. Im Jahr 1711 ging das Gut an die Familie von Kuenheim über, die aus dem Elsass stammte. Maria Elisabeth von Kuenheim erwarb es für ihren Sohn Otto Wilhelm und ließ 1733 einen ersten Palast bauen. Dieser erste Bau wurde in der Zeit der napoleonischen Kriege zerstört. Ein zweistöckiger Neubau mit hohen Kellern und großen Terrassen an gleicher Stelle wurde im neoklassizistischen Stil errichtet. Als Wilhelm von Kuenheim und seine Frau Fanny von der Groeben die Herren in Juditten waren, wurde der Palast zwischen 1862 bis 1863 umgebaut und bakam seine heutige Gestalt. Das bis heute erhaltene Herrenhaus liegt malerisch in einem Park an einem kleinen See.

Die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1798 in den Grafenstand versetzten von Kuenheims blieben bis 1945 Besitzer des Fideikommisses. Bekannt war das Gut für sein Gestüt, das eines der ältesten Ostpreußens war. Dort wurden reinrassige Trakehner gezüchtet. Berühmtestes Familienmitglied von 1945 war der preußische Landrat Georg von Kuenheim († 1611) der mit Margarete († 1570), einer Tochter Martin Luthers verheiratet war. So konnten die von Kuenheims jener Linie sich der direkten Nachkommenschaft des großen Reformators rühmen.

Den Krieg überstand das Juditter Schlossgebäude mit nur wenigen Schäden. Es wurde danach als Kindergarten und Begegnungsstätte für die Dorfbevölkerung genutzt. Im Obergeschoss wurden Wohnungen für die Gestütsmitarbeiter eingerichtet. Das Gestüt wurde später ganz ins nahe Liesken (Liski) verlegt, wo sich auch das Verwaltungsgebäude des Gestüts befand. Dort werden bis heute Trakehner gezüchtet. Seit 1998 ist das Schloss mit dem Park in Privatbesitz gegangen und wurde renoviert.Baufällige Nebengebäude wurden 2014 abgerissen. Einige Gegenstände aus dem Schloss Juditten sind heute im Museum Rastenburg (Węgorzewo) ausgestellt, so das Portrait von Generalleutnant John Ernest von Kuenheim (1818 1730).

Juditten und BMW?

Was aber hat nun dieses weltabgeschiedene, verträumte Dorf an der polnisch-russischen Grenze mit BMW zu tun, einer der innovativsten Automarken, die für Modernität und Hightech steht? Ganz einfach: In Juditten wurde Eberhard von Kuenheim 1928 als jüngstes von vier Kindern des Gutsbesitzers Volmar von Kuenheim und dessen erster Gattin Sophie geb. von Gottberg (1896-1945) geboren. Die Ehe der Eltern wurde 1932 geschieden. Der Vater heiratete 1933 Gertrud Gillweit und starb bereits 1935. Die Mutter von Kuenheims verstarb im Sommer 1945 in einem sowjetischen Lager, nachdem ihr zweiter Ehemann Hans Christoph von Burkersroda bereits Anfang Mai 1945 in Sibirien verstorben war.

Eberhard von Kuenheim geriet zu Kriegsende in britische Kriegsgefangenschaft und studierte danach bis 1954 Maschinenbau. Seinen ersten Job erhielt von Kuenheim beim Werkzeugmaschinenhersteller Max Müller in Hannover, einem Betrieb der heute zur Gildemeister AG gehört. Bald wurde die Quandt-Gruppe auf ihn aufmerksam. So trat von Kuenheim dort 1965 eine Stelle an, die als „Stabsmann für technische Fragen“ beschrieben war. In gleicher Position wechselte er konzernintern 1969 zu BMW.

Schon 1970 machte der BMW-Großaktionär Herbert Quandt zum BMW-Vorstandsvorsitzenden. Diese Position hatte Eberhard von Kuenheim bis 1993 inne. In seine Ägide fiel unter anderem die Einführung der 5er-Reihe und die neue Typenstruktur. Er war in seiner Zeit an der Spitze von BMW einer der Väter des deutschen Auto-Exporterfolgs und machte BMW zu einem großen Global Player.

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