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Surminski: Neues Buch mahnt zum Frieden

Arno Surminski „Von den Kriegen“, Foto: Bearbeitung Cover © LangenMüller Verlag

Arno Surminski „Von den Kriegen“, Foto: Bearbeitung Cover © LangenMüller Verlag

Arno Surminski, der 81jährige Schriftsteller, der 1934 im ostpreußischen Jäglack bei Rastenburg geboren wurde, hat vor wenigen Tagen im Herbig/LangenMüller Verlag sein neues Buch „Von den Kriegen“ herausgebracht.

Arno Surminski ist einer der letzten großen Chronisten des alten Ostpreußens. Viele seiner Bücher haben mit Krieg, Flucht und Vertreibung zu tun und sind immer Stimmen für den Frieden, für die Völkerverständigung und die Versöhnung. Diese Mahnung zum Frieden ist ein zentrales Anliegen des in Hamburg lebenden Schriftstellers. Dafür wurde er kürzlich auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auch in seinem jüngsten Werk „Von den Kriegen“ geht es um das „Nie wieder Krieg“.

Auch dieses Buch ist ein eindringliches Plädoyer für den Frieden. Inspiriert wurde Surminski von dem Albert-Schweitzer-Zitat: „Kriegsgräber sind die Prediger des Friedens“. Bezeichnenderweise stammt dieser Ausspruch des Friedensnobelpreisträgers vom Besuch eines Soldatenfriedhof im Elsass. Surminski selbst sagte, das Zitat sei seine Motivation gewesen, dieses Buch zu schreiben, in dem er dokumentieren wollte, wie schrecklich Kriege sind.

Gedenkanzeigen für gefallene Soldaten

Es ist eine stille Anklage, die von den 174 authentischen Gedenk-Todesanzeigen ausgeht, die von den Familien gefallener deutscher Soldaten noch Jahrzehnte nach deren Tod an besonderen Gedenktagen wie Todestag oder Geburtstag in Zeitungen aufgegeben wurden. Trotz der vorgegebenen Form, stilistisch an traditionelle Todesanzeigen gebunden, ist der Kriegstod meist durch das schwarze Eiserne Kreuz erkennbar. Trotz dieser Formgebundenheit und das Fehlen jeglicher biografischer Angaben berühren diese Anzeigen. Sie zeigen etwas vom Schmerz der Hinterbliebenen, der Trauer um das nicht gelebte Leben der meist blutjungen Gefallenen, und den Verlust oft gleich mehrerer Brüder oder Söhne. Unwillkürlich fragt man sich beim Lesen: Wie mögen die Mütter das überstanden haben, wie viele zerbrachen daran? Die Söhne auf den verschiedensten Schlachtfeldern Europas begraben oder untergegangen in irgendeinem Weltmeer? Wie konnte man halbe Kinder in den Krieg schicken? Wie mag es diesen Jungen ergangen sein, die ihr kurzes Leben lang nur von der Propagandamaschinierie eingetrichtert bekommen haben, dass sie ihr Leben Deutschland und seinem Führer zu weihen und es dafür zu opfern hätten? All die 17jährigen, 19jährigen, die nur gelernt hatten zu töten und zu sterben, aber nicht zu leben?
So sind diese In-memoriam-Anzeigen für die Angehörigen bis heute ein kleiner Ersatz für die Grabsteine, die es entweder nicht gibt, oder die zu weit entfernt liegen – sie sind aus der Zeitung ausschneidbare Grabsteine. Wenn es schon kein Grab als Ort der Trauer gibt, will man auf diese Art die Verbundenheit mit dem Verstorbenen zeigen.

Eine schlichte Europa-Karte verdeutlicht im Buch die Dimension des Wahnsinns Krieg. Sie zeigt mit schlichten Kreuzen die Todesorte der Gefallenen aus diesen nur 174 Anzeigen an – sie sind über ganz Europa, den Atlantik, die Ostsee und das Mittelmeer verteilt – eine einzige stumme Anklage!

Die Handlung

Eingebunden sind die 174 Gedenkanzeigen in einen fiktiven Handlungsstrang. Im Sommer 2015 erhält der Student der alten und neuen Geschichte Gero Warnecke von seinem Professor Wiesener eine Tüte mit einem großen Stapel Gedenkanzeigen, die ein anonymer Sammler zusammengetragen hatte und die nach dessen Tod an die Universität geschickt wurden. Fast alle diese Anzeigen sind mit dem Eisernen Kreuz versehen – Gedenksteine aus Zeitungen. Der 1989 im Jahr der historischen Wende und dem Zusammenbruch des Ostblocks geborene Gero Warnecke weiß wenig von der Zeit davor und fragt sich, wer so lange nach den beiden Weltkriegen solche Anzeigen aufgibt. Er beginnt eher lustlos damit, die Anzeigen zu sortieren. Mehr und mehr wird er hineingezogen in die Welt der Sinnlosigkeit von Kriegen, erkennt die Grausamkeit. Er beginnt nach dem Sammler zu suchen, der inzwischen verstorben ist, und verliert immer mehr die wissenschaftliche Distanz zu seiner Arbeit.

Zum ersten Mal ist die Geschichte für ihn nichts Abgeschlossenes und er erkennt, dass diese Geschichte der Kriege des 20. Jahrhunderts nie vergessen werden darf, dass der Schrecken für immer erkennbar bleiben muss. Er erkennt, dass diese Grabsteine aus Zeitungspapier nur eine Konsequenz kennen können: Nie wieder Krieg!

Diese Handlung wirkt ein wenig konstruiert, ihr fehlt die sonstige große Erzählkraft, die Surminski auszeichnet. Die beiden agierenden Protagonisten entwickeln sich nicht, der Professor doziert, der zuvor für einen angehenden Historiker arg ahnungslose Student lernt und kommt am Ende zur vorhersehbaren, gewünschten Schlussfolgerung. Jedoch erfüllt der Erzählstrang den Zweck, auch dem nicht so geschichtsfesten Leser das Grauen der beiden Weltkriege auf gut lesbare Art fassbar zu machen.

Deshalb ist Arno Surminskis Buch „Von den Kriegen“ ein lesenswertes, ein wichtiges Buch, trotz der kleinen Schwäche die Handlung betreffend. Lesen!! Verschenken!!

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