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Wasserwandern im Biebrza-Nationalpark

Wasserwandern auf der Biebrza, Foto: AS-Tour

Die Biebrza-Route liegt in der Woiwodschaft Podlachie (Podlasie), östliche der Woiwodschaft Ermland und Masuren. Jedoch ist dieses Revier so einmalig zum Wasserwandern, dass auch immer mehr Besucher Masurens dort paddeln möchten.

Die Biebrza ist ein rechtseitiger Nebenfluss des Narew und entspringt etwas südlich von Nowy Dwór nur weniger Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt. Auf seinen gut 160 Kilometern bis zur Mündung in den Narew fließt er auch durch Weißrussland. Vom Charakter her ein Tieflandfluss, der durch das flache Land mäandert, ist die Biebrza durch die vielen Altarme, Buchten und Nebenflüsse ein sehr abwechslungsreiches Revier zum Wasserwandern.

Paddeln im Biebrza-Nationalpark

Die Biebrza-Route führt zu großen Teilen durch den Biebrza Nationalpark (Biebrzanski Park Narodowy), der 1993 gegründet wurde, und fast 592.230 Quadratkilometer unberührte Natur in einem extrem dünn besiedelten Raum beinhaltet. Damit ist der Biebrza-Nationalpark der größte Nationalpark Polens. Die Biebrza wird im Volksmund auch der „polnische Amazonas“ genannt. Das Erleben dieser in Europa einmaligen Landschaft erscheint dem Besucher als wild und abenteuerlich in einer grenzenlos weiten, unebrührten Naturlandschaft. Das Biebrza-Sumpfgebiet im Biebrza-Tal ist der größte   Lebensraum von Elchen in Polen, von denen heute 500-600 stattliche Exemplare dort leben. Doch auch Biber, Fischotter, Dachs, Fuchs, Wolf, Wiesel, Hermelin, Baummarder, Bisamratte, Reh, Hirsch, Wildschwein und Hase sind in dieser unglaublichen natürlichen Vielfalt zu finden. Im Nationalpark findet man über 950 Pflanzenarten. Zu der mit 263 Arten riesigen Zahl der hier lebenden Vogelarten gehören 185 Arten, die an der Biebrza brüten, darunter Steinadler, Seeadler, Uhu, Sumpfeule, Schwarzstorch, Haubentaucher, Wachtelkönig und Wasserralle. Pro Quadratkilometer gibt es hier 600 Vogelnester. Zur Artenvielfalt kommen noch 36 Fischarten hinzu. Legendär ist der jahreszeitliche Farbwechsel der Biebrza-Flora: im Frühjahr wird das Flachmoor grün, ab Juni werden die Moorflächen weiß durch die Fruchtstände des Wollgrases, im Herbst wechselt die Farbe von Gold nach Braun. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze ist das Nationalparkgelände ein riesiges Überschwemmungsgebiet und ein Dorado für Wasservögel. Die Hauptverwaltung des Biebrza-Nationalparks findet sich in Osowiec Twierdza (Festung Osowiec), nur wenige Kilometer von Goniądz. Bitte achten Sie darauf, unterwegs nur auf gekennzeichneten Biwak- und Zeltplätzen zu übernachten und nicht wild im Nationalpark zu campen.

Die Biebrza-Paddelroute

Die Paddelroute beginnt knapp 30 Kilometer von der Quelle entfernt in Lipsk an der Bootsstation. In Lipsk kann auch gleich entweder an der Bootsstation oder im Kulturhaus am Markt (Rynek) die Erlaubnis für das Befahren des Biebrza-Nationalparks (Biebrzanski Park Narodowy) besorgen. Sie endet bei Ruś, wo die Biebrza in den Narew mündet. Auf dem ersten Teil der Route fließt der Fluss flott dahin zwischen tiefen Wäldern dahin. Dörfer sind selten, nur ab und zu eine Straßenbrücke erlebt man auf dem typischen Tieflandfluss. In fast atemberaubender Stille mäandert der Fluss immer breiter durchs Flachland. In einem verwirrenden Netz von Altarmen und engen Durchstichen gilt es die Richtung zu halten, vorbei geht es an Flusseinmündungen und Buchten sowie kleinen abgedämmten Seen.

Die Biebrza ist ein Fluss mit breitem Flussbett und tiefer als die anderen Flüsse der Region, sie erhöht auf ihrem Lauf die Fließgeschwindigkeit und wird schnell breiter, das Flusstal wird weiter, die Ufer schilfbestanden. Die wenigen Orte in Ufernähe sind durchweg interessant, nicht nur wegen der Versorgungsmöglichkeit, sondern auch wegen teils überraschender Sehenswürdigkeit. Zum Beispiel war die damals zum russischen Zarenreich gehörende Region um Goniądz und die alte zaristische Festung von Osowiec vom September 1914 bis zum Februar 1915 bei den Schlachten um Ostpreußen hart umkämpft. Die Festung wurde im August 1915 nach einem Gasangriff von den Deutschen eingenommen. Betrachtet man heute die so abgelegene Naturidylle, kann man sich die Qualen von Mensch und Natur kaum vorstellen, soviel Frieden strahlt sie aus. Im Festungsgraben von Osowiec sieht man die Reviere, die der Biber sich dort zurückerobert hat.

Biebrza Nationalpark- Der polnische Amazonas, Foto: Wojsyl, GFDL,CC-BY_SA-3.0
Nach 18 Kilometern ist das erste Tagesziel unweit der Straßen- und Eisenbahnbrücke bei Kamienna Nowa erreicht. Weiter geht es und nach 35 Kilometern ist eine Gabelung erreicht, auf der man den rechten Flusslauf ansteuert um nach rund 50 Metern nach links abzubiegen. Kurz darauf nach 35 Kilometern ist der nächste Übernachtungsplatz in Sztabin erreicht, in dem es Versorgungsmöglichkeiten gibt. Die nächste Gabelung erreicht der Wasserwanderer bei Kilometer 40. Weiter geht es links auf dem breiteren Arm des Flusses. Kurz vor der Einmündung des Kanał Ausgustowski auf der rechten Seite bei Kilometer befindet sich bei Debowo ein schöner Übernachtungsplatz, an dem der dritte Paddeltag endet. Die Biebrza wird nun wieder breiter und fließt schneller. Kurz danach ist bei Jasinowo eine schöne Badestelle. Bei Kilometer 62 ist rechts die Mündung der Brzozowska erreicht und links die des Wogzalski-Grabens. Die breite Biebrza fließt hier ziemlich gerade dahin. Ein schöner Übernachtungsplatz, der auch für eine Biwakpause taugt, ist in Dolistowo bei Kilometer 67 erreicht. Bei Kilometer 72 verzweigt sich die Biebrza wieder, rechts geht es weiter. Nach vier Kilometern kommt die Mündung der Ełk in Sicht. Wenig später trifft man bei Dawidowizna auf einen schönen Biwakplatz und rundherum in Dorfnähe gute Plätze zum Übernachten.

Der fünfte Paddeltag ist nur fünf Kilometer lang. Er endet nahe der Straßenbrücke von Goniądz. Der Biwak- und Zeltplatz ist in Straßennähe. Von hier aus kann man die Stadt besichtigen. Eine Variante ist es, bis zum Flußkilometer 93 hinter der Straßenbrücke von Osowiec weiter zu paddeln, und erst dort den fünften Tag der Tour zu beenden. Von dort aus ist die Festung Osowiec zu einer Besichtigungstour gut zu erreichen. Natürlich kann dieser Abschnitt auch als separate Tagesetappe unternommen werden.

Der Uferbewuchs fängt langsam an, sich zu ändern, breite Wiesen geben den weiten Blick aufs Land frei. Bei Kilometer 94 mündet der Rudzicki-Kanal in die Biebrza ein. Der sechste Paddeltag endet bei Kilometer 106 an dem Biwakplatz Biały Grad rechts, den man über einen Altarm erreicht. Dort gibt es einen weithin sichtbaren Aussichtsturm auf dem Biwakplatz. Die Biebrza wird nun langsamer und führt deutlich sichtbar durchs Biber-Land – keine menschlichen Spuren weit und breit. Nach 130 Paddelkilometern erreichen wir mitten im Tiefland Brzostowo, wo es mehrere Biwakplätze gibt und ganz in der Nähe wiederum einen Aussichtsturm. Die Biebrza ist hier breit und flach. Fünf Kilometer weiter kommt der Paddler an Burzyno vorbei. Dort findet sich nicht nur ein schöner Badeplatz, sondern auch Versorgungsmöglichkeiten. Nach 140 Kilometern kommt man an der ersten per Seil betriebenen Fähre vorbei. Kurz darauf gabelt sich die Biebrza wieder, und es geht durch einen schmalen Durchstich weiter. Wir kommen noch an einigen Fähren vorbei. Am rechten Ufer wird die Landschaft nun hügelig und der Fluss immer breiter, bis nach 142 Kilometern die Biebrza in den Narew mündet. Die Gehöfte von Ruś werden passiert, bis an der Straßenbrücke die Ausstiegsstelle erreicht ist, an der die Biebrza.Route endet.

Für die Biebrza-Route sollte man acht, besser noch zehn Tage einplanen, damit das Wasserwandern genug Zeit zum Genießen der einmaligen Natur und für Ausflüge an Land lässt. An. Anspruchsvoll ist Wasserwandern auf der Biebrza nicht, Sie fahren immer mit dem Strom. Ein eigenes Boot brauchen Sie nicht mitnehmen, es gibt Bootsverleiher vor Ort.

Einen guten Bootsverleiher finden

Damit Wasserwanderer auf der Biebrza sich im Wasserlabyrinth nicht verirren, sollte unbedingt für aktuelles Kartenmaterial gesorgt werden. Um die Aktualität zu gewährleisten, sollte man Karten vor Ort in Polen kaufen. Ihr Bootsverleiher sollet Ihnen da raten können – wenn er gut ist. Wie Sie einen guten Bootsverleiher erkennen? Sie erkennen ihn zum Beispiel daran, dass er Ihnen eine reiche Auswahl von verschiedenen Booten anbieten kann und Sie auch berät, welcher Typ sich für Sie eignet. Da ist für den ungeübten Kanuten dann ein robustes und leicht zu handhabendes Boot, das auch einmal einen Fehler verzeiht genauso im Angebot, wie ein Kajak für den sportlich ambitionierten Kanuten. Ein guter Bootsverleiher sollte auch das übliche Zubehör anbieten wie Tonnen, wasserdichte Packsäcke und Schwimmwesten und mit Rat und Tat helfen. Empfehlenswerte Bootsverleiher bieten Ihnen auch einen bewachten Parkplatz für das Auto an sowie den Transport für alle Mitfahrer und die Boote für die gewählten Ein- und Aussetzpunkten an. Solche Bootsverleiher bieten auf der Biebrza oft auch geführte Wasserwandertouren an.

 

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