Die Wolfsschanze – Das Führerhauptquartier in Masuren

Foto: Wolfsschanze, Przemyslaw 'Blueshade' Idzkiewicz, CC-BY-SA-3.0Nur zehn Kilometer östlich von Ketrzyn liegt bei Gierloz/Görlitz das ehemalige Führerhauptquartier Wolfsschanze. Eine Fläche von 250 ha umfasst dieses zu meterdickem Beton gewordene Mahnmal deutschen Wahns. Über 3.000 Arbeiter – darunter viele polnische Zwangsarbeiter – bauten unter Leitung der Organisation Todt hier ab 1940 das größte Führerhauptquartier Hitlers mit 120 Einzelgebäuden.

Das beiderseits der Bahnlinie Rastenburg – Lötzen gelegene Gelände war so tief im dichten Wald versteckt, dass es selbst aus der Luft nicht auszumachen war. „Chemische Werke Askania“ war der Tarnname der Baustelle, als im Spätsommer 1940 mit Hochdruck die Arbeiten begonnen wurden. Benötigt wurde dieses östlichste Führerhauptquartier für den bereits im Plan befindlichen Angriff auf die Sowjetunion. Fertig war die Bunkersiedlung immer noch nicht, als sie am 24. Januar 1945 durch die abziehende Wehrmacht gesprengt wurde, bis dahin waren 36 Millionen Reichsmark verbaut worden.

Zwei Tage nach Beginn des Ostfeldzuges gegen die Sowjetunion am 22.6.1941 bezog Hitler das neue Quartier, letztmals verließ er es am 20. November 1944, als die Rote Armee die Reichsgrenzen zwischen Gumbinnen und Goldap bereits erstmals überschritten hatten­.

Zum Komplex dieser hoch gesicherten Nomenklatura-Stadt gehörten zwei eigene Flugplätze sowie ein Bahnhof, eine komplette Energieversorgung, eine Nachrichtenzentrale auf dem damaligen Stand der Technik sowie Freizeiteinrichtungen wie Offizierskasinos und ein Erholungsheim.

Der Sperrkreis I war der Bereich mit der höchsten Sicherheitsstufe. Hier hatten in achtzig unter Bäumen versteckten Gebäuden – meist als Hochbunker gebaut – die zur Kriegführung gebrauchten Größen des III. Reiches ihre Quartiere. Neben Hitler hatten hier Bormann, Göring, Keitel sowie Jodl ihre Bunker, dazu kamen weitere für Luftwaffe, Kriegsmarine sowie Unterkünfte für Mitarbeiter, Stäbe und Wachen, auch die Lagebaracke, in der am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler geschah, befindet sich in diesem Bereich.

Um 1.500 Soldaten bewachten die drei Sperrzonen auch, als am 20. Juli 1944 Claus Graf Schenk von Stauffenberg das Attentat gegen Hitler beging. Seit 1992 erinnert am Ort der einstigen Lagebaracke ein Gedenkstein an den Aufstand der Offiziere. Besichtigt werden kann der gesamte Sperrbezirk I, es gibt drei unterschiedlich lange Besichtigungswege, die farblich markiert sind, der kürzeste, gelb markierte Weg dauert 45 Minuten, der Rote Weg 60 Minuten, und für den blauen Weg braucht man etwa 90 Minuten. Beginn ist jeweils der Parkplatz, man kann auch als Individualtourist einen Führer nehmen, was etwa 15  kostet, aber unbedingt nötig ist das nicht. Auf jeden Fall empfiehlt es sich aber, einen Plan zu erwerben, den es dort auch mit deutschen Erläuterungen gibt.

Zwar wurden bombastische Sprengladungen von um die 10 Tonnen TNT verwendet, sie konnten aber die meterdicken Betonwände und Decken nicht völlig zerstören. Es blieben riesige Tonnen schwere Betonklötze, die in den bizarrsten Stellungen kreuz und quer übereinander gehäuft sind, manche ragen mahnend in den Himmel, andere Bunker sind teilweise gut erhalten, und man kann sie betreten.

Die Orientierung ist problemlos bei einem Rundgang auf eigene Faust möglich, denn die Bunkerreste sind durchnummeriert, Nr. 3 ist der Platz der Attentatsbaracke, später kommt man unter anderem an den Bunkern von Bormann, Göring und Hitler vorbei. Vor allem mit einem sollte man bei einem sommerlichen Rundgang rechnen: Myriaden von Stechmücken.

Was bleibt, ist ein merkwürdiges Gefühl des Nichtwissens, wie man das Gesehene einordnen soll. Längst hat der Trubel überhandgenommen. Über 400.000 Besucher kommen Jahr für Jahr, ein fataler Hauch von Disneyland hängt über der Wolfsschanze. Viel hat nicht gefehlt, und Wachsfiguren sowie Personal in SS-Uniformen hätten hier Einzug gehalten. Irgendwie kommt die dem Ort angemessene Betroffenheit nicht durch. Sommertrubel, Urlaubslaune und Geschäftemacherei dominieren. Entsprechend sind auch die Preise dreimal so hoch wie anderswo in Polen, eine Eintrittskarte kostet um vier Euro.

Die Wolfsschanze war nicht die einzige ausgebaute Stellung der Naziführung in Masuren. Der Chef der Reichskanzlei, Hans Lammers, hatte sein Feldquartier nur 10 km entfernt in Wendula. Das Quartier Anna des Oberkommandos des Heeres befand sich in Mauerwald/Mamierki 18 km östlich der Wolfsschanze und bestand aus den Zonen Quelle, Fritz und Brigittenstadt. Ribbentrop residierte im 15 km entfernten Schloss Steinort, Heinrich Himmler 22 km entfernt in der Schwarzschanze Großgarten/Pozedrze. In der Feste Boyen im 36 km entfernten Lötzen saß Reinhard Gehlens „Abteilung Fremde Heere Ost“. Die Stellung des Militärnachrichtendienstes befand sich im 48 km entfernten Mikolajki. Das Oberkommando der Luftwaffe hatte sein Quartier im 70 km entfernten Breitenheide/Szeroki Bór, später wurde es in die Nähe des 70 km von der Wolfsschanze entfernten Goldap verlegt, Luftwaffenchef Göring hatte sein Domizil etwa 20 km östlich davon in der Rominter Heide.

Die Wolfsschanze ist täglich geöffnet.

Im ehemaligen Wohngebäude der Leibwache Adolf Hitlers ist heute das Hotel Wilczy Szaniec (mit Restaurant) untergebracht:

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