Das Schloss in Sztynort (Steinort) wird saniert

Schloss Steinort, Foto: Brigitte Jäger-Dabek

Die scheinbar unendliche Geschichte der gescheiterten Versuche zur Privatisierung des Schlosses Steinort in Masuren scheint doch noch ein glückliches Ende zu finden, bevor es nichts mehr zu retten gibt. In diesem Herbst sollen die Instandsetzungsarbeiten am Dach von Schloss Lehndorff im masurischen Sztynort (Steinort) beginnen. Das barocke Schloss wurde im späten 17. Jahrhundert erbaut und ist stark verfallen.

2009 ging es in den Besitz der Deutsch- Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz über. Die Sicherungsarbeiten am Dach sollen im kommenden Jahr abgeschlossen werden und sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Konservierung des wertvollen Baudenkmals. Danach sollen die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen, deren Gesamtkosten auf 6 Millionen Euro veranschlagt, werden. Auf dem ehemaligen Gutsgelände befindet sich heute ein moderner Jachthafen mit Hafenschenke und einer Pension.

 

Das Schloss Steinort war im Sommer 1944 Schauplatz des dramatischen Geschehens um das Attentat gegen Hitler vom 20. Juli 1944. Der Schlossherr Heinrich von Lehndorff (1909 – 1944) war damals am Attentat beteiligt.

Als besonderen Affront sah es das Regime an, dass die Verschwörung und viele Gespräche der direkt beteiligten direkt unter den Augen der geballten Staatsmacht des Dritten Reichs stattfand. Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop hatte 1941 einen Flügel des Schlosses requiriert und residierte dort wie der Souverän am Hof einer absoluten Monarchie.

Ein nicht kleiner Teil der Bauten außerhalb der Wolfsschanze waren für die Reichsleitung und die obersten Militärs bestimmt, und standen im Stadtwald von Rastenburg oder wie die das Oberkommando des Heeres OKH im Mauerwald auf Lehndorffschem Boden.

Neben dem Führerhauptquartier umfasste die Anlage der Wolfsschanze mit dem Tarnnamen „Chemische Werke Askania“ rund 40 Gebäudekomplexe. Umgeben war das Areal von einem bis zu 150 Meter breiten Minengürtel und zehn Kilometer Stacheldraht. In größerer Entfernung waren die wichtigsten Dienststellen des Reiches angesiedelt, auch die Sitze von Himmler, Göring und anderen Größen des Systems waren lose über Ostpreußen verstreut.

Nach dem Attentat war Heinrich von Lehndorff, der Cousin von Marion Gräfin Dönhoff, schnell als Mittäter ausgemacht. Zweimal gelang Lehndorf die Flucht, bevor er schlussendlich doch gefasst, vom Volksgerichtshof am 3. September zum Tode verurteilt, und am Tag darauf in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.

Die Familie von Lehndorff kam in Sippenhaft. Das vierte Kind der Lehndorffs – alles waren Mädchen – das seinen Vater nie gesehen hat, wurde von seiner Mutter Gottliebe von Lehndorf im Gefängnis geboren. Die drei anderen Mädchen wurden in ein Kinderheim nach Bad Sachsa verschleppt. Dort wurden sie auf Intervention Ende 1945 von Marion Gräfin Dönhoff befreit und von ihr zur nun in lebenden Mutter gebracht. Vers„von Lehndorf, die zweitgeborene Tochter von Heinrich und Gottliebe von Lehndorff war Marion Dönhoffs Patenkind. Als „Veruschka“ wurde sie erstes deutsche Top-Model.

Ein weiterer bekannter Lehndorff-Verwandter war Heinrich von Lehndorffs Cousin Hans Graf von Lehndorff (1910-1987), der Arzt und Autor des bekannten Buches „Ostpreußisches Tagebuch“. Er war informiert über die Widerstandsaktivitäten und selbst aktiv in der Bekennenden Kirche tätig.
Gottliebe von Lehndorff starb 1993. Nach dem Krieg lebte sie im Alten Pfarrhof in Peterskirchen, nahe Wasserburg am Inn.

Im Jahr 2009 wurde im Beisein der Töchter und Enkel der Lehndorffs ein Gedenkstein für Heinrich von Lehndorff enthüllt. 2009 wurde auch der Schenkungsvertrag zwischen dem damaligen Eigentümer dem polnischen Yachtbauer TIGA S.A. und der Polnisch-Deutschen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz unterzeichnet, Die Familienmitglieder wünschten explizit künftig eine öffentliche kulturelle Nutzung des Herrenhauses, was im Schenkungsvertrag festgehalten wurde. Die Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz übernahm die Verpflichtung,Schloss Steinort zu sanieren und einer vertragsgemäßen Nutzung zuzuführen.

Über das Ehepaar Gottliebe und Heinrich von Lehndorff hat Antje Vollmer eine bewegende Biographie geschrieben.

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