Olecko und Augustów – Die Zwillingsstädte gelebter Toleranz

Olecko, die Stadt mit dem Riesen-Marktplatz, Foto: J.Kunicki.Olecko, CC BY-SA 3.0

Olecko, die Stadt mit dem Riesen-Marktplatz, Foto: J.Kunicki.Olecko, CC BY-SA 3.0

Die Vorgeschichte

Ohne die religiöse Toleranz der polnischen Krone wäre die Umwandlung des Deutschordensstaats in ein weltliches Herzogtum im Jahr 1525 nicht möglich gewesen. Albrecht von Brandenburg-Ansbach wurde mit nur 21 Jahren 1511 zum 37. Und letzten Hochmeister des Ordensstates gewählt. Hintergedanke dabei war, dass der Orden die im Zweiten Thorner Frieden dem König von Polen gegenüber eingegangene Lehnspflicht und Heeresfolge wieder los zu werden trachtete. Albrecht war sowohl Sohn eines regierenden Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation als auch Neffe des polnischen Königs Sigismund I. (Zygmunt I. Stary). Der Orden erwartete nun von seinem neuen Hochmeister die Verweigerung des Lehnseides seinem Onkel Sigismund gegenüber. Das tat Albrecht auch wie erwartet, denn er vertraute auf Beistandsleistung des Livländischen Landmeisters. Doch bereits kurz darauf erreichte 1515 eine Ermahnung des damaligen Kaisers Maximilian die Beteiligten, den Zweiten Thorner Frieden einzuhalten. Maximilians Nachfolger Karl V. erneuerte schon bei seiner Thronbesteigung 1519 die Aufforderung an Albrecht, den Lehnseid abzulegen. Obwohl klar war, dass weder die Livländer noch der Kaiser zu Hilfe eilen würden, und Albrecht sich weiter weigerte, marschierten polnische Heere im Winter 1519/1520 in den Ordensstaat ein, ohne aber einen Sieg erringen zu können. Durch Vermittlung des Kaisers schlossen Albrecht und sein Onkel Sigismund 1521 einen vierjährigen Waffenstillstand.

In diesen vier Jahren gewann Albrecht aber nicht etwa neue Verbündete, sondern kam in Berührung mit der Reformation, deren glühender Anhänger er wurde. Luther selbst gab Albrecht den Rat 1523 das Hochmeisteramt niederzulegen, den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum Preußen umzuwandeln und dort die Reformation einzuführen. Besiegelt wurde das Übereinkommen durch den Huldigungseid vom 8. April 1525 in Krakau vor dem polnischen König Sigismund I., mit dem Albrecht das vererbbare Herzogtum zu Lehen nahm.

Der Übergang zur weltlichen Herrschaft verbunden mit der Einführung der Reformation war nicht einfach und Albrecht hatte sich vieler Gegner zu erwehren, von der kaiserlichen Reichsacht bis hin zu religiösen Streiten zwischen Osiander und Melanchton. Albrecht starb am 20. März 1568 auf der Burg Tapiau an der Pest. Sein Onkel, der polnische König Sigismund I., der seit 1507 König war, starb am 1. April 1548 in Krakau. Sein am 1. August 1520 in Krakau geborener Sohn war wurde aber bereits 1529 noch zu Lebzeiten seines Vaters per Vivente Rege vom Sejm zum Großfürsten von Litauen und König von Polen gewählt. Nach dem Tod seines Vaters 1548 wurde er Alleinherrscher und ab 1569 der erste Regent des Staates Polen-Litauen.

Die Stadtgründungen

Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Foto gemeinfrei

Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Foto gemeinfrei

Die Grenze zwischen den Woiwodschaften Ermland-Masuren und Podlachien wurde im Vertrag vom Melnosee aus dem Jahr 1422 als Grenze zwischen dem Ordensstaat einerseits und dem Großfürstentum Litauen sowie dem Königsreich Polen festgelegt. Den Vertrag unterzeichneten der Ordenshochmeister Paul von Rusdorf sowie der Großfürst Vytautas von Litauen und der polnische König Władysław II. Jagiełło. Die hier markierte Grenze ist die zweitälteste Europas und blieb fast 500 Jahre stabil. Grenzmarkierung wurden erstmals 1545 gesetzt zur Regierungszeit des polnischen Königs Sigismund II. August und seines Vetters Herzog Albrecht, dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Noch heute erinnert bei Prostken eine Grenzsäule daran und an das Treffen der beiden verwandten Landesherren im Jagdhaus des polnischen Königs. Die beiden Regenten vereinbarten, dass jeder zur Erinnerung an dieses Treffen auf seinem Territorium eine Stadt gründen sollte. Albrecht gründete am Oletzkoer See Marggrabowa, deren Name auf den Markgrafentitel Albrechts zurückzuführen ist. Die Stadt erhielt 1560 das Stadtrecht und einen riesigen Marktplatz. Der polnische König Sigismund II. August gründete keine 50 km entfernt Augustów, die Stadt erhielt 1557 die Stadtrechte.

Olecko – Die Stadt des preußischen Herzogs

Olecko/Marggrabowa/Treuburg liegt im Schnittpunkt der Straßen Ełk-Gołdap sowie Giżycko-Suwałki. Den späteren Namen Treuburg erhielt Marggrabowa wegen des überragenden Ergebnisses bei der Volksabstimmung im Sommer 1920, als die Stadt einstimmig für den Verbleib bei Ostpreußen votierte. Bekannt wurde Marggrabowa durch seine Wochen- und Pferdemärkte, denn der Marktplatz (heute pl. Wolności) war einst der größte Ostpreußens.

Man sieht der 18.000-Einwohner-Stadt an, dass sie auf dem Reißbrett entworfen wurde, alles ist schön ordentlich am Jezioro Oleckie Wielkie/Oletzkoer See/Treuburger See um den Marktplatz herum angeordnet. Die Stadt wurde im Krieg fast völlig zerstört, bedeutende Baudenkmäler sind nicht erhaltenen. Nur das Granitdenkmal für die Toten des 1. Weltkrieges in den Grünanlagen am See ist geblieben. Olecko liegt sehr schön am See, an dem man sogar einen feinen Sandstrand findet. Die günstige Lage im Verkehrsknotenpunkt lässt die Stadt als Standort für Ausflüge in den polnischen Nordosten durchaus als geeignet erscheinen.

Augustów – Die Stadt des polnischen Königs

Sigismund II. August, Foto gemeinfrei

Sigismund II. August, Foto gemeinfrei

Gegründet wurde Augustów 1557 von König Sigismund II. August von Polen, heute hat dieStadt 32.000 Einwohner. Kunsthistorisch Interessantes bietet Augustów kaum. Allenfalls die klassizistische Alte Post aus dem Jahr 1828 an der ul. Wybieckigo 1 und die neogotische Herz-Jesu-Kirche aus dem Jahre 1911 lohnen einen Besuch. Interessant für den Reisenden macht Augustów die Lage mit dem Urwald der Puszcza Augustowska im Osten, dem Kanał Augustowski und dem Biebrzański-Park im Süden. Neben den Urwäldern ist die Stadt auch von vier Seen umgeben, was sie zu einem Paradies für Wassersportler macht.

Zu einiger Bedeutung kam Augustów erst durch den Bau des Kanał Augustowski zwischen 1824 und 1829, der eine Wasserverbindung von der Weichsel bis zum Njemen herstellte. Heute hat der Kanal nur mehr touristische Bedeutung, neben Wassersportlern nutzt ihn nur noch die Weiße Flotte. Die Vielfalt der möglichen Paddeltouren ist kaum zu übertreffen, von engen Wasserläufen durch sich selbst überlassene Urwälder bis zu tiefblauen Seen mit reizvollen Badebuchten reicht die Palette der Möglichkeiten. Augustów eignet sich daher hervorragend als Standort für Ausflüge in die Urwälder und Nationalparks der Umgebung. Interessant ist das Heimatmuseum, das über die Geschichte der Region informiert.

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