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Fachkräftemangel in Polen: Probleme für das Nachbarland?

Qualifizierte Arbeitskräfte in Polen gesucht

Quaifizierte Arbeitskräfte fehlen in Polen, Foto: pixABAY:COM; CC0

Immer besser, immer schneller. Der technische Fortschritt und die zunehmende Globalisierung sorgen für einen regelrechten Boom mancher Wirtschaftsbranchen. Andere Berufe, allen voran das Handwerk, scheinen hingegen auszusterben. Nicht selten müssen kleine Betriebe ihr Unternehmen aufgeben, weil sie am Ende des Monats rote Zahlen schreiben. Doch nicht allein die fallende Nachfrage ist schuld an dieser Tendenz. Mit der sinkenden Zahl der Fachkräfte liegt die Ursache meistens bei den Betrieben selbst. Das Fernbleiben von Auszubildenden betrifft aber nicht allein deutsche Unternehmen, sondern ist vor allem in Polen zu beobachten. Inwieweit beeinflusst der Fachkräftemangel den dortigen Markt?

Fachkräfte sind vor allem in Polen gefragt

Obgleich der Fachkräftemangel als globales Problem gilt, ist er in den osteuropäischen Ländern besonders ausgeprägt. Experten machen den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre verantwortlich, der vor allem in Polen, der Ukraine sowie den Balkanstaaten zu beobachten war. Vor allem gut- bis hochqualifizierte Arbeitnehmer wanderten wegen der höheren dort erzielbaren Einkommen ins westliche Ausland – besonders in die EU-Länder- ab. Um die erhöhte Nachfrage der Handelspartner wie China zu stillen, sind mehr Arbeiter notwendig. Hochrechnungen zufolge könnte bis ins Jahr 2030 etwa jeder fünfte Arbeitsplatz unbesetzt sein. Doch auch die deutsche Wirtschaft ruht nicht. Warum also betrifft der Fachkräftemangel vordergründig Polen? Eine naheliegende Erklärung ist die inlandsorientierte Einstellung der Regierung. Polen lehnt die Aufnahme von Migranten weitgehend ab, um die Sicherheit innerhalb des Landes zu bewahren. Andere europäische Staaten sehen in der Einstellung von Flüchtlingen jedoch eine Option, den Mangel an Arbeitern zu verringern.

Die gefragtesten Branchen und Bereiche, in denen Fachkräfte gesucht werden

Vor allem im Gesundheitswesen, dem IT-Bereich und dem Bauwesen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Einfaches Handwerk dient zwar auch der Verbesserung der Wirtschaftslage, Ingenieure, z.B. Hersteller von Gassensoren, sind aufgrund der erforderlichen Ausbildung aber viel seltener. Verständlicher Weise ist die Regierung nicht einfach an Fachkräften, sondern möglichst an qualifizierten Arbeitern interessiert.

Folgen für polnische und deutsche, in Polen ansässige Unternehmen

Aufgrund der europaweiten Fachkräfteflaute ist zwischen Deutschland und Polen ein Konkurrenzkampf um gebildete Arbeitnehmer entbrannt. Um dem Mangel im eigenen Land entgegen zu wirken, werben deutsche Unternehmen polnische Arbeiter ab. So war es jedenfalls bisher, doch aufgrund der rückläufigen Zahlen, dürften auch deutsche Firmen bald Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen. Polnische Unternehmen versuchen dagegen krampfhaft, ihre Arbeiter an sich zu binden. Dass dazu höhere Löhne erforderlich sind, kann man sich denken. Auf der einen Seite profitieren zwar die Arbeiter, Unternehmensinhaber machen aber große Verluste und müssen aufgrund der Mehrausgaben um den Erhalt der Firma bangen.

Polens Wirtschaft boomt

Polens Wirtschaft boomt, Foto: piyabay.com, CC0

Gründe für den Mangel an Fachkräften

Der demografische Wandel sowie die Globalisierung sind laut Experten die relevantesten Gründe für den Fachkräftemangel in Polen. Wer die Möglichkeit hat, versucht sein wirtschaftliches Glück in anderen Ländern und kehrt dem Heimatland den Rücken. Zudem bleibt die Geburtenrate weit hinter den Erwartungen zurück. Tendenzen zeigen, dass die polnische Bevölkerung bis 2045 um 20 % schrumpfen könnte, wenn sich an der aktuellen Lage nichts ändert. Darüber hinaus beginne die meisten jungen Leute nach der Schulausbildung zunächst ein Studium, oder entscheiden sich im letzten Ausbildungsjahr noch einmal um. Die erschreckende Zahl der Ausbildungsabbrecher verzögert die Nachwuchsfindung vieler Unternehmen.

Mögliche Lösungsansätze- warum sollte der Fokus auf der eigenen Jugend liegen?

Die polnische Regierung hat inzwischen auf die fast schon bedrohlichen Tendenzen reagiert. Trotz der fremdenskeptischen Einstellung wollen sie zum Beispiel Arbeiter von den Philippinen anwerben. Da der Inselstaat ebenfalls dem katholischen Glauben angehört, sehen die Politiker weniger Konfliktpotential durch verschiedene Konfessionen. Aber auch der eigene Nachwuchs soll gefördert werden. Das Unterhaus schlug vor, alle Menschen unter 26 Jahren von der Einkommenssteuer zu befreien. Auf diese Weise ließe sich auch Schwarzarbeit verhindern.

Unser Fazit

Der europaweite Fachkräftemangel betrifft auch Polen. Die strikte Inlandspolitik sowie der demografische Wandel führen zu hunderten unbesetzten Stellen. Auch deutsche Unternehmen bekommen die Missstände zu spüren.