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Geheimnisvolles Rapa: Eine Pyramide in Masuren

Die Pyramide in Rapa
Die Pyramide in Rapa, Foto: Janericloebe, gemeinfrei

Pyramide werden Sie fragen? Eine Pyramide in der masurischen Abgeschiedenheit in Rapa (Angerapp) in der Gemeinde Banie Mazurskie (Benkheim) im Sumpfgebiet des Skalischen Forstes?

Doch, auch in den verstecktesten Regionen dieses heute zwischen der russischen Kaliningradskaja Oblast (Königsberger Bezirk) und der polnischen Woiwodschaft Ermland und Masuren geteilten Landkreises Darkehmen kann man solch ein erstaunliches Kulturdenkmal finden.

Der magische Ort bezieht seine Anziehungskraft nicht nur aus diesem erstaunlichen Pyramidenbauwerk am Ende eines Damms durch das Sumpfgebiet. Er liegt nämlich auch genau im energetischen Kraftfeld einer Ley-Linie, die von Schweden bis zu den Pyramiden von Gizeh führt. Und genau dieses Kraftfeld wird durch die Pyramide verstärkt, so heißt es. Oder sind es etwa die Mumien, die dort bestattet sind? Schließlich ist hier Masuren, und nicht Ägypten!

Die 16 Meter hohe Pyramide wurde von Anfang an als Grablege und Mausoleum für die Familie von Fahrenheid entworfen, deren prächtige Gutssitz in Klein Beynuhnen mehr einem Schloss als einem Gutshaus ähnelt. Es wurde 1945 von der Roten Armee gesprengt, nachdem die Kunstsammlung zuvor von der sowjetischen Trophäenkommission beschlagnahmt worden war. Ihr Verbleib ist bis heute nicht geklärt. Der Damm, der zum Mausoleum führt, war ursprünglich von Skulpturen gesäumt.

Neueste archäologische Untersuchungen an der Pyramide von Rapa

Im September begutachtete ein Team von Archäologen der Universität Warschau die Pyramide. Unter der Leitung von Janusz Janowski, einem Archäologen der Universität Warschau, untersuchten weitere Archäologen und Anthropologen sowie Martha Schelte vom Laboratorium für 3D-Scanner mit der neuesten Forschungsausrüstung ausgestattet die Pyramide.

Die Wissenschaftlergruppe klärte zunächst, wer der wirkliche Erbauer war. Bisher hieß es, Heinrich Johann von Fahrenheid habe die Pyramide nach dem Tod seiner dreijährigen Tochter Ninette als Mausoleum 1811 errichten lassen. Tatsächlich habe aber bereits sein Vater Friedrich Wilhelm Johann von Fahrenheid im Jahr 1795 die Pyramide als Familiengrabstätte errichten lassen. Sicher ist, dass seine Enkelin Ninette das erste Familienmitglied war, das dort seine letzte Ruhe fand.

Hat die Pyramide ein ägyptisches Vorbild?

Bisher ging man davon aus, dass die seltsame Pyramide nach ägyptischem Vorbild erbaut wurde, zumal Heinrich Johann von Fahrenheid während seiner Reisen Interesse an der Ägyptologie gefunden hatte. Alles schien zu passen, denn selbst der Neigungswinkel im Inneren der Pyramide von 51 Grad und der quadratische Grundriss entspricht ägyptischen Vorbildern. Doch nun, wo feststeht, dass bereits sein Vater Friedrich Wilhelm Johann von Fahrenheid der Erbauer war, lagen für die Archäologen andere Schlüsse näher. Einer der Wissenschaftler des Teams, der Archäologe Jerzy Lapo vom Museum für Volkskultur in Węgorzewo (Angerburg) erklärte der polnischen Nachrichtenagentur PAP gegenüber, J.F.W. von Fahrenheid sei höchstwahrscheinlich Freimaurer gewesen, denn etliche der Strukturen und Symboliken der Pyramide von Rapa sprächen für einen Freimaurerhintergrund, fügte der Archäologe an. Er erklärte auch, dass nach jüngsten Forschungsergebnissen der Schluss naheliege, dass die Fahrenheids aus Rapa nahe Verwandte des berühmten Danziger Forschers Daniel Gabriel Fahrenheit waren, nach dem die Fahrenheit-Temperaturskala benannt wurde. Die Fahrenheids waren 1786 von König Friedrich Wilherm II: in den Adelsstand erhoben worden. Daniel Gabriel Fahrenheit soll der Onkel des Großvaters des Pyramidenerbauers gewesen sein und unterschiedliche Namensschreibungen waren zu jener Zeit häufig, betonte Lapo.

Überraschender Mumienfund

Bisher wusste man von sechs teils mumifizierten dort zur letzten Ruhe gebetteten Leichen, eine von Ihnen war die kleine Ninette. Doch zur eigenen Überraschung fand das Wissenschaftler-Team die sterblichen Überreste eines weiteren Kindes. Dazu entdeckten sie im Zentrum der Pyramide rund sechzig Teile von menschlichen Leichen inmitten von Steinen und abgebröckeltem Putz.

Den Zustand der Pyramide von Rapa stuften die Wissenschaftler als vom Einsturz bedroht ein, sie können jederzeit zusammenbrechen, mahnte Janusz Janowski, auch die Särge seien stark beschädigt. Die Archäologen stellten ihre Untersuchungsergebnisse der lokalen Selbstverwaltung vor. Die Gemeinde versucht nun die nötigen Mittel zu beschaffen, für die im Haushalt keine Mittel frei sind.