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Raketen auf Ermland und Masuren?

Russische Iskander-Raketensystem, Abschusslafette, Foto: Stanislav Kozlovskiy, CC-BY-SA-3.0

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreml bei diplomatischen Verwicklungen, politischen Differenzen oder Verstimmungen mit dem Westen Raketenstationierungen in der Kaliningrader Exklave ankündigt beziehungsweise mehr oder minder dezent in einschlägige Medienkanäle lanciert.

Von russischer Seite wurde die Stationierung atomwaffenfähiger Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander-M (Nato Code: SS-26 Stone) durch russische Nachrichtenagenturen angekündigt. Geschehen soll dies im westlichen Wehrbezirk unweit der polnisch-russischen Grenze. In der russischen Iswestija hieß es dazu gar, die Iskander-Raketen seien bereits vor gut eineinhalb Jahren in Kaliningrad aufgestellt worden, zitiert die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza.

Schon mehrmals hatte der Kreml angekündigt im Zuge möglicher Reaktionen auf die Nato-Pläne zur Errichtung eines Raketenschilds in Europa mehrfach mit einer solchen Verlegung an die Westgrenze gedroht. In  Moskau wird ein eventuelles Nato-Abwehrsystem als Gefährdung der eigenen Sicherheit betrachtet.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses desrussischen Parlaments Wiktor Sawarsin, sagte der Iswestija in einem Interview, die Stationierung sei notwendig, um die Machtbalance gegenüber der Nato in Europa zu halten. Man bedrohe dabei niemanden, es handle sich um ein rein defensives Waffensystem, betonte Sawarsin. Inzwischen kommentierte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu der Nachrichtenagentur RiaNovosti gegenüber, die Raketen würden dort stationiert, wo die Landesführung es für nötig halte.

In der Woiwodschaft Ermland-Masuren sieht man sich bedroht und als Ziel der Raketen, die eine Reichweite von nur rund 480 Kilometern haben. Schon im Jahr 2008 habe der damalige russische Präsident Medwediew genau diese Iskander-Raketen in der Kaliningrader Exklave aufstellen wollen. Seitdem hätten diverse Medien immer wieder geschrieben, die Iskander-Raketen wären längst an der polnisch-russischen Grenze stationiert, liest man in der Tageszeitung Gazeta Olsztynska. Unverhohlen stellt das Blatt Zusammenhänge her zu den Geschehnissen in der Ukraine. Die Stationierung wird als dezenter Wink an Polen gesehen, dass sich sehr für die Annäherung der Ukraine an die EU einsetzt, und solle die Polen erschrecken. Und bei der Gelegenheit solle es die Deutschen gleich mit erschrecken, denn die Raketen könnten Berlin gerade noch erreichen. Eine neue Runde zwischen EU und Moskau um die Ukraine ist eingeläutet.

Vielleicht ist so viel Drohgebärde ein Zeichen der Furcht vor der Niederlage in der Causa Ukraine ist der Tenor der Berichterstattung in Ermland-Masuren.

Zumindest einer der Stationierungsorte dürfte Tschenjachowsk, das alte Insterburg sein. Dort gibt es noch eine größere Garnison. Vor allem im Bereich des Flugplatzes in Heynehof sind riesige Radarstarionen, und offensichtliche Raketenanlagen seit Jahren trotz aller Tarnbemühungen selbst für Touristen unübersehbar. Auch war Insterburg immer wieder im Gespräch, wenn es um Raktenaufstellungen geht. Nicht nur Ermland und Masuren, auch Warschau, Berlins Außenbezirke und große Teile Polens wären von hier aus leicht erreichbar.

Iskander-M (SS-26 Stone):

Die Iskander-M ist eine Boden-Boden-Rakete mit kurzer Reichweite. Sie hat je nach Ausstattung eine Reichweite von 380-480 Kilometern. Die Iskander-M kann sowohl mit unterschiedlichen konventionellen als auch atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Das hochmobile System ist auf dem geländegängigen LKW-ähnlichen Trägerfahrzeug des Typs MZKT-7930 untergebracht und rasch zu verlegen. Die Rakete fliegt mit mehrfacher Überschallgeschwindigkeit und ist daher nur sehr schwer abzufangen.