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Der Wallfahrtsort Swieta Lipka / Heilige Linde

Orgel der Wallfahrtskirche Heilige Linde/Swieta Lipka in Masuren, Foto: B. Jäger-Dabek

Fast unwirklich, man möchte sich die Augen reiben, so viel zierlich üppiger Barock in dieser abgeschiedenen Gegend, in der man zwischen all den Wäldern und Seen als Sakralbau eher etwas Rustikaleres erwartet hatte. Heilige Linde /Swieta Lipka liegt südöstlich von Ketrzyn/Rastenburg zwar eigentlich knapp außerhalb des alten ermländischen Bodens, gehörte aber immer zum ermländischen Domkapitel. Neben der Kirche übrigens Neben der Kirche steht ein Gedenkstein zu Ehren des 1877 in Wartenburg/Barczewo geborenen und 1946 in Posen/Poznan verstorbenen ermländischen Komponisten Feliks Nowowiejski , der Klosterschüler in Heiligelinde war.

Der Marienkult von Heilige Linde hat heidnische Wurzeln und ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. Der Begriff „Heilige Linde“ geht zurück auf einen prussischen Kultplatz, an dem die Fruchtbarkeitsgöttin Puskaite (Bruskaite) vereht wurde. Viele Legenden bildeten sich im Laufe der Jahrhunderte in unzähligen Varianten heraus. Eine davon berichtet, Ordensmarschall Heinrich von Plotzk griff 1311 die in der Nähe lagernden litauischen Heere unter dem legendären Großfürsten Witowt (Witold; 1293 – 1316) an, und siegte. So konnte er zuvor verschleppte Christenfrauen befreien. Während des Kampfes kam dem Marschall die Muttergottes zu Hilfe. Der Überlieferung nach erschien die Muttergottes am gleichen Ort im Laub einer Linde Kindern. Zum Dank wurde von Heinrich von Plotzk ein Maler veranlasst, das Erlebte auf einem Bild festzuhalten und ließ es in der von Gläubigen errichteten Kapelle an der Linde (capella in lindo“) anbringen. Im Jahr 1473 kam der Ort an den Deutschordensstaat, 1491 wird die Kapelle erstmals urkundlich erwähnt. Eine Sage berichtet von einem in Rastenburg zum Tode Verurteilten, der Maria um Hilfe anflehte, die ihm auftrug, eine aus Holz geschnitzte Figur von „Unserer Lieben Frau“ anzufertigen. Daraufhin wurde er freigelassen wurde, und hängte er die Figur an eine Linde auf dem Weg nach Rößel.  Fortan ereigneten sich dort viele Wunder.

Wallfahrtskirche Heilige Linde/Swieta Lipka in Masuren, Foto: B. Jäger-Dabek

Die Wallfahrtskirche wurde 1687 – 1730 vom aus Tirol stammenden Wilnaer Baumeister Georg Ertly und dessen Nachfolgern auf den Fundamenten zweier älterer Kirchen erbaut und wird von Jesuiten betreut. Sie ist ein Prachtbeispiel spezifisch ermländischen Barocks mit deutlich italienischeren Anklängen als im mehr niederländisch geprägten preußischen Potsdamer Barock. Vor dem eigentlichen Baubeginn musste das sumpfige Baugelände in der Niederung am Nordende des Deinowasees (Jez. Dejnowo) und südlich des Wirbelsees (Jez. Wyrbel, auch Wierzbne oder Wirbel) vorbereitet werden: Für die Bodengründung wurden 10.000 Holzpfeiler in den Boden gerammt.

Das 1983 von Papst Johannes Paul II. in den Rang einer „Basilica minor“ erhobene Gotteshaus ist als dreischiffige Basilika errichtet und mit einem viereckigen Kreuzgang umgeben, an dessen Ecken jeweils Kuppelkapellen stehen. Die heutige Fassade stammt aus dem Jahr 1730. Den großen Eingangsbereich umzäunt ein filigranes schmiedeeisernes Gitter. Man betritt das Kirchengelände durch ein prachtvolles Eisenportal, welches von den Rösseler Schmieden Johannes und Christoph Schwarz gefertigt wurde. Kolonnaden umgeben das Kirchenschiff, üppig ausgestattet mit 44 Figuren des Tiroler Bildhauers Christoph Perwanger und verziert mit Fresken des Heilsberger Künstlers Mathias Meyer, der 1722–1737 auch den inneren Kirchenraum ausgestaltete. Überhaupt zeigt der Innenraum eine atemberaubend reiche Ausstattung, eine geradezu verschwenderische Prunkentfaltung.

Die barocke Üppigkeit wird noch übertroffen von der 1719–1721 erschaffenen Orgel mit des Meisters Johann Josua Mosengel aus Königsberg, mit einer schier unglaublichen Vielfalt von Verzierungen und den berühmten beweglichen Figuren und sich drehenden Sonnenrädern. Die rund 4.000 Pfeifen und 40 Register geben dieser Orgel einen unverwechselbaren Klang. Im Sommer ist der Andrang oft so groß, dass man für die halbstündlich stattfindenden Demonstrationen der Orgel kaum einen Sitzplatz finden kann.

Infos:

Orgeldemonstrationen: Mo–Sa 9.30, 10.30, 11.30, 13.30, 14.30, 15.30, 16.30, 17.30 Uhr; an Sonn- und Feiertagen: 10.30, 12.30, 15.30, 16.30 Uhr.

Messen: Mo–Sa 6.30, 7.30 Uhr, So 7, 8.45, 11, 17 Uhr.

Wallfahrtstage: Mariä Heimsuchung letzter Mai-Sonntag, 14./15. August Mariä Himmelfahrt.

Geöffnet ist die Kirche täglich zwischen 8 und 18 Uhr.

 

 

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